Diskursive Aushandlung des Dystopischen
Das Projekt untersucht, wie Spieler:innen in sozialen Medien – insbesondere auf Discord – über moralische Entscheidungen, Agency und Konsequenzen in narrativen und decision-basierten Spielen (u. a. The Last of Us, Detroit: Become Human, Helldivers 2, Hades 2, Frostpunk, This War of Mine, The Walking Dead: The Telltale Series) sprechen und verhandeln. Im Fokus stehen diskursive Aushandlungsprozesse und ihre Bedeutung für ludonarrative Theorie.
Zentrale Forschungsfragen
Die Untersuchung verbindet linguistische Diskursanalyse mit ludologischen und game-studies-bezogenen Perspektiven. Im Zentrum stehen u. a. folgende Fragen:
- Wie sprechen Spieler:innen in sozialen Medien über moralische Entscheidungen, Agency und Konsequenzen in narrativen bzw. decision-basierten Spielen?
- Welche diskursiven Muster, Argumentationsfiguren und Positionierungspraktiken lassen sich in Diskussionen auf Discord identifizieren?
- Wie positioniert sich die SP in ihrer Rolle als Spielerin aber auch als reale Person bzw wie positioniert sie das Spiel/li>
- Inwiefern eröffnen Spiele Räume, in denen Konsequenzen für das eigene Leben reflektiert und verhandelt werden?
- Welche Rückschlüsse erlaubt dies für ludonarrative und game-studies-spezifische Theorien von Agency, Moral und Narration?
Methodik & theoretischer Rahmen
Das Projekt ist qualitativ und diskursanalytisch angelegt und verortet sich in der Tradition der (deutschsprachigen) Medienlinguistik.
- Medienlinguistische Diskursanalyse
- Positionierungs- und Subjektivierungstheorien
- Ludologie und Narrative-Theorien
- Research on moral choice & decision-based games
- Identifikation relevanter Discord-Communities
- Qualitative Auswertung von Threads & Gesprächen
- Feinanalysen von Schlüsselpassagen
- Geplantes Interviewformat mit Spieler:innen
Korpus & Datengrundlage
Die Korpuserhebung erfolgt unter Berücksichtigung von Datenschutz, Forschungsethik und Plattformregeln.
- Plattformen: ausgewählte Discord-Server und ggf. angrenzende Social-Media-Plattformen (z. B. Foren, Subreddits) mit Fokus auf narrativen und moralisch aufgeladenen Spielen.
- Material: Diskussions-Threads, Chatverläufe, argumentativ geprägte Passagen, narrative Rahmungen von Spielerfahrungen.
- Zusatzempirie: Interview- bzw. Gesprächsformate mit Spieler:innen zu Entscheidungsdilemmata, Moral und persönlicher Relevanz der Spiele.
- Ethik: Anonymisierung von Nutzernamen, verantwortungsvolle Zitation und transparente Einbettung in aktuelle Forschungsethik-Debatten.
Status & geplante Förderung
Das Projekt befindet sich in der Ausarbeitung und wird durch ein Stipendium gefördert.
Betreuung & Institution
Das Dissertationsprojekt ist in einem universitären Kontext der germanistischen Linguistik verankert und wird fachlich durch die Schnittstelle von Linguistik, Medien- und Game Studies gerahmt.
- Institution: Technische Universität Dresden, Institut für Germanistik und Medienkulturen, Professur für Germanistische Linguistik und Sprachgeschichte
- Fachgebiet: Germanistische Linguistik mit Schwerpunkt Medienlinguistik und Diskursanalyse; Anbindung an Game Studies / Ludologie.
- Betreuung: Prof. Dr. Alexander Lasch (Erstbetreuung) und Prof. Dr. Simon Meier-Vieracker (Zweitbetreuung, „fussballinguist“ auf Instagram: @fussballinguist).
- Einbettung: Verortung in laufenden Forschungszusammenhängen, Kolloquien und thematisch passenden Forschungsschwerpunkten (z. B. digitale Diskurse, Medienkommunikation, Spielkulturen).
- Promotionsform: Individuelle Promotion mit struktureller Anbindung an universitäre Graduiertenstrukturen.
Über mich
Eine knappe Übersicht zu Forschungsschwerpunkten, Interessen und Vernetzungen, die das Dissertationsprojekt rahmen.
- Forschungsschwerpunkte: Germanistische Linguistik und Medienlinguistik, Diskursanalyse digitaler Kommunikation, Game Studies und Ludologie, Spieler:innen-Subjektivität, Moral und Entscheidungsstrukturen in Games, Community-Praktiken in Online-Räumen.
- Interessen / Hobbies: Brett- und Videospiele, erzählerische Welten und Storytelling, Community-Projekte, wissenschaftsnahe Öffentlichkeitsarbeit, Schreiben und Austausch in (digitalen) Communities.
- Website: https://fuxkopp.de (in Arbeit)
- Communities: Engagement in spielbezogenen Online-Communities (u. a. Discord), Interesse an interdisziplinären Netzwerken in Game Studies und Linguistik sowie Austauschformaten zwischen Forschung und Praxis.
- Kontakt: Direkt per E-Mail (siehe Kontaktbox rechts) oder über die genannte Website.
Datenschutz und Rechtsgrundlagen
Zu den Rechtsgrundlagen und dem Umgang mit erhobenen Daten.
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Datenschutzbeauftragter:
Der Datenschutzbeauftragte der Technischen Universität Dresden ist erreichbar unter:
Technische Universität Dresden
Datenschutzbeauftragter
01062 Dresden
Tel.: +49 (0) 351 463 32839
Fax: +49 (0) 351 463 39718
E-Mail: informationssicherheit@tu-dresden.de
Website: tu-dresden.de/informationssicherheit - Zwecke und Rechtsgrundlagen der Verarbeitung: Die Verarbeitung der Daten erfolgt zum Zweck der Durchführung und Auswertung des Online-Interviews im Rahmen des Forschungsvorhabens „Diskursive Aushandlung von Unsicherheit: Reflexionen über dystopisch-narrative Computerspiele durch Spieler:innen“. Das Transkript wird für die wissenschaftliche Analyse verwendet. Die Rechtsgrundlage für die Datenverarbeitung zu den oben genannten Zwecken ist Art. 6 Abs. 1 UAbs. 1 lit. a und ggf. Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO (Einwilligung). Die Vorgaben des § 12 SächsDSDG für die Verarbeitung personenbezogener Daten zu Forschungszwecken werden beachtet.
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Kategorien der verarbeiteten personenbezogenen Daten:
Interviews: Im Rahmen des online durchgeführten Interviews wird ausschließlich der Audioanteil aufgezeichnet. Eine Videoaufzeichnung findet nicht statt. Es werden nur diejenigen personenbezogenen Daten verarbeitet, die sich naturgemäß aus der Interview-Situation ergeben, insbesondere: Ihr Name, Ihre Stimme, Ihre Äußerungen bzw. die Inhalte des Interviews sowie wahrnehmbare Merkmale der Umgebung, soweit diese akustisch erfasst werden.
Discord-Chats: Discord-Chats enthalten erfahrungsgemäß häufig besonders sensible Angaben, die als besondere Kategorien personenbezogener Daten im Sinne des Art. 9 Abs. 1 DSGVO zu qualifizieren sind. Hierzu zählen namentlich Gesundheitsdaten, politische und weltanschauliche Meinungen, Angaben zur sexuellen Orientierung, Informationen über Minderjährige und familiäre Umstände sowie religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen. Derartige Inhalte können sowohl ausdrücklich als auch implizit in den Nachrichten enthalten sein. Die geplante selektive Nichterhebung solcher Inhalte vermag eine zuverlässige Trennung technisch nicht sicherzustellen, da freie Textäußerungen einer automatisierten Vorab-Klassifikation nur eingeschränkt zugänglich sind. Damit ist der Anwendungsbereich des Art. 9 Abs. 1 DSGVO eröffnet. - Vorgesehene Speicherdauer: Die Audio-Aufzeichnung dient ausschließlich der Erstellung einer automatisierten Transkription und wird gelöscht, sobald diese nicht mehr dem Forschungszweck dient, spätestens jedoch mit Ende des Projekts zum 01. Oktober 2028.
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Forschungsziele und Schutzmaßnahmen:
Interviews: Die Transkripte werden anonymisiert oder gelöscht, sobald diese nicht mehr dem Forschungszweck dienen, spätestens jedoch mit Ende des Projekts zum 01. Oktober 2028. Audioaufnahmen und Transkripte werden bis zur Anonymisierung bzw. Löschung in einem verschlüsselten Ordner auf Servern der TU Dresden gespeichert.
Discord-Chats: Sofern einzelne Chat-Nachrichten urheberrechtlich geschützt sind, stellt sich die Frage, ob das Scraping dieser Inhalte eine urheberrechtlich relevante Nutzung darstellt. Das Herunterladen, Zwischen- oder dauerhafte Speichern der Chat-Inhalte ist unabhängig von der verwendeten technischen Methode als Vervielfältigung im Sinne des § 16 UrhG zu qualifizieren. Grundsätzlich steht das Recht zur Vervielfältigung ausschließlich den Urheber:innen zu, mithin den Verfasser:innen der jeweils urheberrechtlich geschützten Chat-Nachricht. Eine Nutzung durch Dritte kann jedoch durch vertragliche Vereinbarung oder gesetzliche Schrankenbestimmungen gerechtfertigt sein. Vorliegend kommt insbesondere § 60d UrhG (Text und Data Mining zu wissenschaftlichen Zwecken) als Erlaubnistatbestand in Betracht, der unter bestimmten Voraussetzungen auch Dritten eine Vervielfältigung der betroffenen Werke gestattet. Die Voraussetzungen des § 60d UrhG sind im vorliegenden Fall erfüllt. Das Forschungsvorhaben wird an einer Hochschule (Technische Universität Dresden) durchgeführt und verfolgt nicht-kommerzielle Zwecke. Der Zugang zu den Discord-Chat-Nachrichten ist rechtmäßig, sofern der Forschende als ordentliches Mitglied der jeweiligen Server Zugang zu den Inhalten hat. Vertragliche Nutzungsverbote in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Discord sind nach § 60g Abs. 1 UrhG gegenüber Forschungsorganisationen unwirksam. Technische Schutzmaßnahmen der Plattform dürfen jedoch nicht aktiv umgangen werden. Das Scraping von Chat-Nachrichten zum Zwecke des Text und Data Mining ist mithin nach § 60d UrhG zulässig. Eine Einwilligung nach Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO scheidet als taugliche Rechtsgrundlage aus. Dies beruht auf mehreren Erwägungen: Zum einen ist die Mehrzahl der potenziell betroffenen Nutzerinnen und Nutzer praktisch nicht erreichbar, da regelmäßig keine Kontaktinformationen vorliegen. Zum anderen würde eine selektive Einholung von Einwilligungen zu einem erheblichen Verzerrungseffekt (Non-Response-Bias) führen, der die wissenschaftliche Verwertbarkeit der Daten in Frage stellen würde. Schließlich ist die Einholung von Einwilligungen in Bezug auf in den Chats genannte Dritte, die selbst nicht an der Kommunikation teilgenommen haben, faktisch unmöglich. -
Kontakt zur Geltendmachung von Betroffenenrechten: ✉️ alexander_baertl@gmx.de